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20.07.2009 -- Liberales Treffen in Kanada

Liberaler Bundestagskandidat trifft sich mit mit dem Geschäftsführer und Generalsekretär der Liberalen Partei Quebecs (PLQ).

Christine (Assistentin), auf dem Plakat Jean Charest (Premierminister von Quebec), Karl Blackburn (Generalsekretär der PLQ), Ralf Wilhelmi (FDP-Bundestagskandidat)
Anlässlich einer Reise nach Kanada trafen sich der FDP Bundestagskandidat Ralf Wilhelmi (Wahlkreis 201, Mosel/Rhein-Hunsrück) und Karl Blackburn, der die Funktion eines Generalsekretärs bei der PLQ inne hat. Blackburn lud den Liberalen aus dem Hunsrück zu einem Gedankenaustausch in sein Büro in der Parteizentrale der Parti libéral du Québec in Montreal ein. Montreal ist mit 1,6 Millionen Einwohnern die zweitgrößte französischsprachige Stadt der Welt. Die frankophone Provinz Quebec ist fünf mal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland und hat mit ca. 7,5 Millionen Einwohnern kaum doppelt so viele Einwohner, wie Rheinland-Pfalz. Die liberale Partei Quebec besteht seit 1867 ununterbrochen und stellt zur Zeit mit Jean Charest den Premierminister der kanadischen Provinz.
Das Wahlsystem in den Provinzen Kanadas entspricht dem englischen. Der Führer der stärksten Partei wird automatisch zum Premierminister ernannt. Herr Blackburn interessierte sich im Laufe des Gespräches sehr für unser Wahlsystem, weil es Bestrebungen gibt, ein personalisiertes Verhältniswahlrecht zu entwickeln. Bei dem kanadischen Modell soll allerdings nur ein deutlich geringerer Teil der Abgeordneten über Parteilisten abgesichert werden können, als bei uns in Deutschland.
Interessant waren auch die wirtschaftspolitischen Positionen der Liberalen von Quebec. Wenn es beispielsweise um wirtschaftspolitische Förderungen geht, so sollen diese grundsätzlich nicht als direkte Subventionen an die Betriebe gezahlt werden. Statt dessen sollen staatliche Mittel zur Verbesserung der Rahmenbedingungen eingesetzt werden, innerhalb derer sich die Betriebe möglichst frei bewegen können. Betriebe sollen immer individuell behandelt werden und die kleineren und mittelständischen Betriebe haben Vorrang vor Großbetrieben. So beschreibt es auch Claude RYAN, in seinem programmatischen Buch: „Die liberalen Werte und das moderne Quebec“.
Als Besucher kann man den Eindruck gewinnen, dass Kanada das Land des gelebten Liberalismus ist. Dies zeigt sich zum einen an dem entspannten Verhältnis der Autofahrer untereinander, zum anderen an dem unkomplizierten Miteinander von Fußgängern und Autofahrern. Das zeigt sich aber auch daran, dass so viele Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Hautfarben anscheinend ohne Probleme zusammen leben.
Gegen Ende des sehr freundschaftlichen Gesprächs, das übrigens in französischer Sprache geführt wurde, schenkte Blackburn das oben erwähnte Buch von RYAN seinem Gast aus Deutschland und wünschte ihm viel Erfolg für die anstehenden Bundestagswahlen. Wilhelmi seinerseits verabschiedete sich mit einem "grand merci" und musste seinem Gastgeber versprechen, über die Abläufe im fernen Hunsrück durch E-Mail zu informieren.

Karl Blackburn (Generalsekretär der PLQ), auf dem Plakat Jean Charest (Premierminister von Quebec), Ralf Wilhelmi (FDP-Bundestagskandidat)

Randbemerkungen:
Claude RYAN 1925-2004, Originaltitel: "Les valeurs libérales et le Québec modern", herausgegeben 2004.

Karl Blackburn, Organisateur en chef, Directeur general, er nimmt für die PLQ in etwa die Funktionen eines Generalsekretärs und Geschäftsführers wahr.

Die Bundesrepublik Deutschland ist nicht mit Kanada vergleichbar, aber trotzdem gibt es interessante Parallelen: Quebec und Kanada, Bayern und die Bundesrepublik Deutschland, oder die Liberale Partei Quebec (Parti libéral du Québec or PLQ ) und die Liberale Partei Kanadas (PL), beide Parteien sind seit 1955 organisatorisch vollkommen voneinander getrennt, aber politisch sehr verwandt. Logischerweise gibt es die PL nicht in Quebec und die PLQ nicht im übrigen Kanada. Die PLQ tritt für eine weitgehende Eigenständigkeit der Provinz Quebec ein, sie ist aber strikt gegen alle Strömungen, die eine Ablösung Quebecs von Kanada anstreben.
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