<<< home

12.01.2009 -- Neujahrsempfang: Marita Sehn unvergessen

FDP-Empfang stand im Zeichen der Kirchbergerin, (Lorenz, Hunsrück-Zeitung)

Nach fünf Jahren war Dr. Rupert Neudeck wieder in der Kirchberger Stadthalle zu Gast. Wie vor dem halben Jahrzehnt war der "Cap-Anamur"-Gründer und Kopf der Hilfsorganisation "Grünhelme" Hauptredner beim Neujahrsempfang der Kreis-Liberalen. Viel hat sich in dieser Zeit verändert.

KIRCHBERG. Mehr als 75 000 Euro haben die Menschen im Rhein-Hunsrück-Kreis für eine Schule und ein Berufsbildungszentrum im afghanischen Talab gesammelt. Aufgerufen zu dieser Hilfsaktion hatten beim Neujahrsempfang 2004 der FDP Rhein-Hunsrück die Bundestagsabgeordnete Marita Sehn und "Grünhelm"-Vorsitzender Rupert Neudeck. Nur wenige Tage spöter kamen Sehn und ihr Bruder Hermann Kaspar bei einem schrecklichen Unfall ums Leben. Nach den tragischen Ereignissen setzte eine Welle der Hilfsbereitschaft ein. Unterstützt von Kreissparkasse, Volksbank Hunsrück und unserer Zeitung engagierten sich zahlreiche Bürger, Vereine, Schulen und andere Organisationen, um der Bundestagsabgeordneten und ihrem Bruder ein bleibendes Andenken zu schaffen: die Marita-Sehn-Schule und die Hermann-Kaspar-Werkstatt. Von der enormen Hilfsbereitschaft der Menschen im Rhein-Hunsrück-Kreis zeigt sich Rupert Neudeck auch heute noch tief beeindruckt: "Das ist ein Rekordergebnis, ein solches Engagement wie das der Bürger hier im Kreis habe ich noch nicht erlebt." Der "Grünhelm"-Chef berichtete, dass auch heute noch die Geschichte von Marita Sehn in Afghanistan immer wieder erzöhlt wird. "Sie ist unvergessen, Schule und Bildungszentrum leisten der afghanischen Bevölkerung einen unschötzbaren Dienst. Die beiden Stötten bringen dem Wiederaufbau in dem geschundenen Land mehr, als die Arbeit von 100 000 Soldaten. Bildung ist ein enorm wichtiges Gut." Neudeck erinnerte sich, dass Sehn damals mit ihm nach Afghanistan reisen wollte. "Ihre Mitarbeiter im Bundestag haben sie davor gewarnt, aus Angst davor, dass ihr etwas passieren könnte. Wenige Tage spöter war sie tot, von einem Auto überfahren. Dies sollte uns daran erinnern, dass es auch hier keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Marita Sehn fehlt uns, sie war eine großartige Frau mit einem Engagement, wie ich es nur selten erlebt habe. Deshalb bin ich auch davon überzeugt, dass sie diese Aufbauarbeit in Afghanistan weiter unterstützen würde", rief Neudeck zu weiteren Spenden auf. "Afghanistan braucht noch viel mehr Schulen."

Unterstützung fand der "Grünhelm"-Vorsitzende beim liberalen Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Thomas Auler aus Riesweiler. Dieser hatte zuvor die traditionell zahlreich erschienenen Vertreter aus Politik, Verwaltung, Kultur, Vereinswesen und Wirtschaft in der Kirchberger Stadthalle begrüßt. Wie schon im Vorjahr erinnerte Auler dabei an die Bedeutung der Grundwerte für unsere Gesellschaft. "Sich dafür einzusetzen, ist heute wichtiger denn je. Auch diese Zocker und unmoralischen Verbrecher, die die weltweite Finanzkrise ausgelöst haben, hötten sich besser mal an die Grundwerte erinnert, als nur an sich zu denken. Ohne Grundwerte geht eine Gesellschaft vor die Hunde." Den Bürgern riet der Abgeordnete, sich von der sich abzeichnenden Finanzkrise nicht bange machen zu lassen. Deutschland sei in allen Bereichen so aufgestellt, dass es der Krise trotzen könne.

Dieses Thema griff auch Kirchbergs VG-Bürgermeister Harald Rosenbaum auf, der auch im Namen des eigentlichen Hausherrn, Stadtbürgermeister Werner Elsen, ein Grußwort an die Göste richtete. "Wir hatten ein gutes Jahr 2008, was 2009 bringt, kann derzeit noch keiner wissen. Trotzdem bin ich optimistisch, weil es drei Hunsrücker Grundsötze gibt: Wir sind noch nie verwöhnt worden und haben gelernt, mit Schwierigkeiten umzugehen. Außerdem können wir schaffen - und wir sind auch stur genug, die Dinge zu erreichen, die wir uns vorgenommen haben. Und drittens halten wir Hunsrücker immer zusammen, wenn es darauf ankommt!"

An der Finanzkrise kam selbstverstöndlich auch der zweite Hauptredner des Empfangs, der gesundheitspolitische Sprecher der Mainzer FDP-Fraktion, Dr. Peter Schmitz, nicht vorbei. Zwar freue er sich über den Hunsrücker Grundoptimismus, dennoch bewege man sich derzeit auf sehr dünnem Eis. Zu vieles sei in der Vergangenheit aus dem Ruder gelaufen, auch dadurch, dass der Staat sich in viel zu vielen Dingen habe in die Pflicht nehmen lassen. Erwartungsgemöß kritisierte der Liberale das Wirken der großen Koalition, die derzeit versuche, "einen Brand mit Benzin zu löschen". Schmitz forderte einen neuen Aufgabenzuschnitt zwischen Staat und Bürgern. Nicht der Staat, sondern der einzelne Bürger müsse mehr im Vordergrund stehen. Dabei schaffe vor allem eine gute Bildungspolitik mehr Chancengerechtigkeit. "Nur so wird Sozialpolitik in Deutschland eine Zukunft haben."

Bevor "Ausonius-Brass" mit dem Deutschlandlied den offiziellen Teil des Neujahrsempfangs beendete, vermeldete Thomas Auler noch eine stolze Zahl: Fast 1700 Euro wurden für weitere Projekte Neudecks an diesem Abend gesammelt. Ein weiterer Beweis für die Hilfsbereitschaft der Hunsrücker Bevölkerung.

<<< home